Heidehonig – das flüssige Gold der Heide

Dickflüssig und aromatisch – Heidehonig will erkämpft werden. Dieser Honig fordert einiges von Imkern und Bienen. Nur die Blüten der Besenheide geben den richtigen Nektar für den Heideblütenhonig. Und die Heide blüht nur ein paar Wochen im Jahr… – da kann man auch als Biene nicht überall zugleich sein und sammeln.

Honig

Honig hat unterschiedliche Geschmacksgrundlagen: das Blütennektar und Pollen dazu gehören, ist klar. Aber auch der Boden und das Klima lassen sich schmecken, also das was im Wein als „Terroir“ bezeichnet wird (und das als Bezeichnung nicht unumstritten ist).

Blühende Besenheide
Blühende Besenheide

Doch es leuchtet natürlich ein, dass die Grundlage von Pflanzen diese beeinflussen. Wie die leichten, sandigen Böden der Lüneburger Heide, auf der sich die Besenheide wacker schlägt.

„Echter Deutscher Honig“ ist ein naturbelassenes Bienenprodukt, das alle Bestandteile (Pollen) enthält und dem nichts zugefügt wurde. Für 500 g Blütenhonig fliegen die Bienen rund 2 Millionen Blüten an. Das macht sich in der Qualität und dem Preis bemerkbar. So ein Glas darf niemals weniger als 5 Euro kosten… bei Sortenreinen oder Heidehonig über 10 Euro. 

Der industriell hergestellte Honig (gerade der der großen Hersteller), setzt auf unendliche Flüssigkeit, einheitliche Farbgebung und ihr werdet Pollen vergebens suchen. Denn guter Honig kristallisiert aus, wird fest. Wenn er wieder flüssig werden soll, müsst ihr ihn einfach vorsichtig im Wasserbad bis maximal 40 Grad erhitzen.

Besenheide

In den ersten 3-4 Jahren sind die Pflanzen noch grün, ab dem 6 blühen sie. Das ist wirtschaftlich wichtig, weil nur bei voller Blüte genug Nektar für die Bienen da ist. Bis zu 40 Jahre werden die Büsche und in dieser Zeit von den Schnucken „in Form“ (also niedrig und möglichst Spinnennetzfrei) und von Ziegen und Menschen frei von Baumschößlingen gehalten (entkusselt). Dies muss kontinuierlich statt finden, sonst schießen die Büsche in die Höhe und blühen nicht so stark.

Naturführerin Petra Kloß beim Entkusseln
Naturführerin Petra Kloß beim Entkusseln

Dann greift der Mensch zu stärkeren Mitteln: erst zum Mäher, dann zur Plaggenhacke und schließlich zum Feuer. Wenn die Humusauflagen über 3 cm dick ist, „vergrast“ die Heide. Da hilft dann kein Abmähen mehr, sondern das Abtragen der Vegetation und Humusschicht. Diese wurde früher (also als es noch keinen Kunstdünger gab und die Heide intensiver wirtschaftlich genutzt wurde) als Einstreu in die Ställe gebracht und im Anschluß als Dünger wieder in der Heide verteilt.

Das ist eine Mordsarbeit und „Plackerei“ 😉 (und jetzt fragt bitte nicht, warum man das so schreibt. Das Ethymologische Wörterbuch setzt „plagen“ als Ursprung voraus und plaggen kennt es nicht. Der Duden weist „Plagge“ als „ein ausgestochenes Rasenstück“ aus – irgendwas dazwischen wird es sein…).

Das Plaggen ist nur einmal möglich, danach wird abgebrannt um die Heide zu verjüngen. Für die Besen- und Glockenheide ist das kein Problem. Die Samen überdauern im Boden so manche Katastrophe und treiben als erste wieder aus. So verschaffen sie sich den dringend benötigten Vorsprung bei der Lichtausbeute. 100 Prozent Licht – drunter tun es die Heidesträucher nicht.

Es wird auch heute noch gezielt streifenweise gemäht, geplaggt und mit Feuer gerodet, damit immer genug blühende Büsche vorhanden sind und die Besenheide in allen Altersklassen vorhanden ist. Allerdings steht inzwischen die Erhaltung der Kulturlandschaft klar im Mittelpunkt.

Imkerei in der Heide

Seit dem Mittelalter gibt es in der Lüneburger Heide die spezielle Form der Schwarmbienenzucht oder Korbimkerei. Nur eine geringe Anzahl von Völkern werden überwintert und im Frühjahr neue Völker durch Schwärmen gebildet. Das Ziel ist möglichst viele Völker zur Heideblüte zu haben. Setzt die normale Imkerei auf sanfte Bienen, so findet man in der Heide eher wilde, früh schwärmende Völker und einen umfangreichen Genpool.

Bienen mit Königin
Na, wo ist die Königin?

Es gibt nur noch zwei hauptberufliche Imker in der Lüneburger Heide, aber etliche Hobbyimker. An der Arbeitsweise ändert das nichts – schon immer zogen die Imker mit ihren Völkern umher, damit die Bienen genug Nahrung finden. Der Opa von Klaus Ahrens hat sein Haus direkt neben den Bahngleisen gebaut. So konnte er in Ruhe seine Völker auf einem Wagon verstauen und mit ihnen per Zug in die Altmark reisen. Dort warten andere Nektarquellen während des Jahres. Erst im August, September, wenn die Heide blüht, geht es zurück hierher.

Lüneburger Stülper

Die traditionellen Körbe „Lüneburger Stülper“ sind inzwischen nicht mehr im Einsatz. Man findet sie nur noch als Anschauungsobjekte. Die Imker der Heide setzen auf standardgemäße Rahmen und Bienenstöcke.

Produkte der Heide

Der erste Sohn hat hier in der Heide traditionell die Landwirtschaft geerbt, der zweite die Schäferei, der dritte die Bienen und die anderen mussten schauen, wo sie als Pastoren oder Lehrer unterkamen.

Die Imkerei hat neben dem Honig vor allem auch Bienenwachs geliefert, dass für die Herstellung von Kirchenkerzen unersetzlich war.

Bienenwaben
Oben eine Dronenwabe, unten die normalen Bienenwaben

Rapshonig, Heidehonig, Waldhonig

Rapshonig ist der weißcremige und häufigste unter den Honigblütensorten. Er kristallisiert besonders rasch und gleichmäßig. Wenn die Felder des Winterraps im April blühen, starten die Bienen die neue Saison.

Heidehonig ist ein Blütenhonig der Besenheide. Ausschließlich.

Dieser Honig ist eher gelartig als dickflüssig und wirklich schwer aus den Waben zu lösen. Diese müssen in einem zusätzlichen Arbeitsschritt angestochen und dann ausgepresst werden. Eine besondere Spezialität ist der „Scheibenhonig“. Es handelt sich um einen Honig mit Wabe – aber eben einen Heidehonig. Sonst wäre es ein normaler Wabenhonig. Scheibenhonig kann man inzwischen auch im Internet bestellen.

Den echten Heidehonig erkennt ihr an der Schreibweise – nur wenn der Name zusammengeschrieben wird, ist zu 60% Nektar der Besenheide drin.

Natürlich gibt es auch in anderen Länden wie Dänemark oder Irland Heide und Heidehonig – aber die sind geschmacklich zu unterscheiden… das ist wieder die Sache mit dem Terroir 😉

Für Waldhonig sammeln die Bienen den Honigtau aus Fichten, Tannen, Ahorn Kiefern, Lärchen und Eichen. Honigtau ist kein pflanzliches Produkt wie Nektar, sondern eine klebrige Hinterlassenschaft von Insekten… Durch den geringen Glucosegehalts bleibt der dunkle, aromatische Waldhonig länger flüssig als Blütenhonig.

Weitere Geschichten aus der Heide:

Mit freundlicher Unterstützung von TourismusMarketing Niedersachsen GmbH*die mich zu einer Pressereise in die Südheide eingeladen hat.

Mein besonderer Dank geht an Renate Rebmann, die uns sicher und charmant durch die Heide kutschiert hat.

Echten Heidehonig (und auch anderen) durften wir in der Imkerei Klaus Ahrens* und bei unserer Tour durch die Heide mit der Natur- und Landschaftsführerin Petra Kloß*  probieren. Danke dafür.

*Werbung

Dieser Artikel enthält Links zu Produzenten und persönliche Empfehlungen von mir. Ich bin dafür zwar weder bezahlt noch beauftragt worden, doch da ich Produkte nenne, muss ich dies als Werbung kennzeichnen.

Anne

Anne

Kochen und Backen sind meine Leidenschaft und ich helfe dir, den Genuss in deinem Leben zu erhöhen.
Anne

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