a modern way to eat – Anna Jones

Eine neue, andere, modernere Art des Essens. Warum, wozu – und vor allem für wen?

Wer Kochen und Essen mehr Bedeutung beimisst, als Nahrungsbereitung und -aufnahme, für den ist dieses Kochbuch das richtige. Es geht um Sättigung – klar, um Zufriedenheit – immer doch und um Glück – unbedingt. Findet jedenfalls Anna Jones, die hier 200 vegetarische und vegane Rezepte für jeden Tag liefert. Mit einem Maximum an Geschmack, überschaubarem Aufwand und einem Minimum an Belastung für Mensch und Erde.

 

Ausgangspunkt und Ziel ist die Zufriedenheit. Selbst wenn Anna Jones hohe Ansprüche an Ausgewogenheit und gesunde Ernährung hat, so lässt sie alles zu, verzichtet auf Tadel und bietet in allen Bereichen Alternativen zu den sowieso schon andersartigen Rezepten.

Sie lebt in dieser, unserer Welt (in London), hat zu viel Arbeit, zu wenig Zeit und sucht nach Lösungen, damit der Zeitmangel den Genuss nicht gänzlich verdrängt. Zahlreiche Rezepte sind extrem schnell und unkompliziert. Manche sind Klassiker die einfach einen neuen Pfiff bekommen oder mehrere Variationen eines Grundthemas, das so ganz schnell unterschiedliche Genüsse befriedigen kann und für ein wohlig, sattes Gefühl sorgt.

Mein Lieblingszitat

 „Ich lasse mich von den Dingen leiten, die mich von Anfang an am Kochen fasziniert haben. Der feine Nebel aus Zitrusöl, der aufsteigt, wenn ich die Schale einer Orange abreibe. Die intensive violette Färbung, die sich beim Einschneiden in eine Rote Bete offenbart. Der heimelige Duft von Ingwer und braunem Zucker, der beim Crumble-Backen durch die Küche zieht, die Magie von im Wasserbad schmelzender Schokolade und so viele weitere Momente, bei denen meine Geschmacksknospen zu tanzen beginnen und mein Herz etwas schneller schlägt.“ Anna Jones, a modern way to eat

Aufbau des Buches

Auf  einigen grün hinterlegten Seiten vermittelt Anna Jones immer mal wieder Hintergründe und Varianten: Aufbau eines Salates, ein Rezept zusammen stellen, 1000 Variationen einer Suppe, Körnerkunde, Wurzelgemüse aus dem Ofen, Süsse Sachen.

Es macht Spaß zu sehen wie klar und strukturiert sie dabei vorgeht. Die Wandlungsfähigkeit einer Suppe: 1. Die Basis – etwas Wurzelgemüse. 2. Welches Kraut? frische Kräuter der Saison 3. Welches Gewürz? jetzt bekommt die Sache schon mal eine eigene Note. 4. Die Hauptrolle – namengebendes Gemüse  5. Die Nebenrolle – weiteres Gemüse, das harmoniert und ergänzt 6. Sattmacher gefällig? muss nicht, kann aber Reis, Brot, Nudeln 7. Das I-Tüpfelchen – gerne als Topping, als kühle oder knusprige Ergänzung.

Jedem Rezept stellt Anna Jones einen kurzen Text voran –  charmant und abwechslungsreich erzählt. Es geht natürlich um die Rezepte selbst, aber auch um die Zutaten, um Erklärungen warum sie etwas so macht oder auch woher die Inspiration dazu kam. So lernt man ihren Freundeskreis gleich auch ein wenig kennen – natürlich nur namentlich…

Die Rezepte selbst sind klar formuliert und gut erklärt. Für Kochnovizen gut geeignet.

Am Rand ist jeweils die Zutatenliste mit Personenangabe und genauen Mengen vermerkt. Gerne auch mit Alternativen bei saisonalen Produkten oder wenn einzelne Zutaten aufgrund von Unverträglichkeiten oder Allergien nicht genutzt werden können.

Die Rezeptbeschreibung ist chronologisch gegliedert. Es empfiehlt sich (wie übrigens immer) das ganze Rezept einmal durchzulesen, um dann vor Überraschungen („nimm einen Teil bei Seite und nutzen ihn später für“) gefeit zu sein. Nicht alle haben Fotos, auch ist die Länge sehr unterschiedlich – zwischen 1/2 und 4 Seiten. Das habe ich nie als störend empfunden. Anna Jones gibt einfach den einzelnen Gerichten den ihnen gebührenden Platz.

Nicht unerwähnt soll das letzte Kapitel mit Konfitüren, Chutney, Brühe und anderen nützlichen Dingen bleiben. Gerade hier zeigt sich ihre Umsicht. Sie konserviert den Sommer für den Winter, nimmt die Angst vor Grundsoßen, die jeder ganz leicht kochen kann und die diese elenden Fertig-Geschmacks-Diktate in Gläsern und Flaschen aus unseren Küchen verbannen sollten 🙂

Zudem  hat sie ein extra Verzeichnis der veganen und glutenfreien Rezepte dieses Buches.

Als Auszubildende von Jamie Oliver war sie lange Teil seines Teams, hat viel gelernt aber doch vor allem ganz viel Eigenes in „a modern way to eat“ eingebracht.

Ausprobiert

Rote-Bete-Curry mit würzigem Hüttenkäse

Es ist Anna Jones Version eines Rote-Bete-thoran – mit viel Kokosnuss, Curryblättern, Koriander, Chili, Ingwer, Spinat und Zitrone. Und natürlich rote Bete! Ein Gemüse, ganz nach meinem Geschmack – das endlich wieder die Aufmerksamkeit in der Küche erreicht, die es verdient 😉 Abgeschmeckt habe ich mit Mandarinenmarmelade und frischem Meerrettich – das unterstützt die Frische, Süße und Schärfe…

Ein absolutes Muss zu dem warm-würzig-samtigen Curry, das mit seinem Duft die Küche im Handstreich erobert, ist das frisch-kühle Hüttenkäse-Topping. Ich habe es beim zweiten, dritten Mal allerdings ein wenig abgeändert – nämlich nicht mit der Grundwürze des Currys gemischt – sondern ganz bewußt nur mit Salz, Zitrone, frischem Koriander (und ein wenig frischem Dill) abgeschmeckt – so bringt es einen ganz eigenen Akzent ins Gericht. Vergleichbar mit dem Klecks Schmand beim Borscht oder auch der Gremolata beim Ossobuco. Geschmacklich und visuell hervorragend.

Zitronen-Feta aus dem Ofen mit bunten Tomaten

Na gut – das überrascht natürlich nicht – das schmeckt einfach super!

Der Feta wird mit Zitronenschale, Korianderkörnern und Pfeffer im Backofen geröstet. Dadurch wird der Käse außen knusprig und goldbraun, innen leicht cremig. Aus den möglichst unterschiedlichen Tomatensorten (weswegen dies für mich eine absolutes Sommergericht ist), macht Anna Jones einen schlichten Tomatensalat mit Zitronensaft, frischer Minze und Olivenöl. Die Kombination des fruchtigen Salates mit den offenwarmen aromatisch-cremigen Käsewürfeln ist super fein. Sozusagen die gelungene Weiterentwicklung eines griechischen Salates 😉

Selbst gemachte Tortilla-Chips mit Grillgemüse-Salsa

Auch Anna kann mal daneben liegen. Unter „selbstgemachte Tortilla-Chips“ stelle ich mir einfach „selbstgemachte“ vor. Da ist der Griff zu fertigen Tortillas, Wraps, Faldenbrot oder Chapati definitiv nicht mein Weg.

Der Dip ist gut – sie röstet Zwiebeln, Chili und Tomaten nacheinander in der Pfanne, so dass sie deutliche Grillspuren erhalten.  Dann wird mit frischem Koriandergrün und Limettensaft abgeschmeckt. Passt.

Tomaten-Kokos-Cassoulet

Für eine vegetarische Party habe ich das Cassoulet ausprobiert und selbst echte Fleischfans waren hellauf begeistert. Anna Jones bereitet zunächst eine Art Sugo aus Lauch, Knoblauch, Chili und Ingwer, in die dann Tomaten, Kokosmilch und Bohnenkerne kommen. Bei mir (da ich eine riesige Portion gekocht habe) waren es unterschiedliche Bohnenkerne, die ich einzeln eingeweicht und gegart habe. Dadurch wurde das Cassoulet optisch noch mal pfiffiger.

Auf diese Mischung kommt dann frische Tomate, Basilikum und kleingezupftes Sauerteigbrot. Natürlich habe ich mit frischem Papabrot gearbeitet. Eine gute Wahl 😉

Anschließend wandert alles in den Ofen bis die Tomaten schrumpfen und das Brot an den Spitzen angeröstet ist. Der Hammer!

 

Seltsamerweise habe ich noch nichts aus dem süßen Bereich ausprobiert – ich werde meine Erkenntnisse dazu bei Gelegenheit nachreichen, denn Anna Jones ist fester Bestandteil meines Kochbuchregals und Lebens – versprochen!

Anna Jones Art des Essens

Sie schlägt den Bogen zwischen den beiden Extremen der vegetarischen Ernährung – von „schweren käselastigen Restaurantangeboten zu Ernährungsphilosophien, die aus grünen Säften besteht“.

Und sie verspricht wirklich nicht zu viel. Ihre Rezepte sind anders, vielleicht „weiblicher“?, aber auf jeden Fall achtsamer. Ich mag Jamie Oliver, aber vielen seiner Rezepte fehlt nach meiner Einschätzung die Liebe. Ganz anders bei Anna Jones- sie eröffnet ganz neue Bereiche des Kochens und ist auf Details versessen. Das ist selten und kostbar.

Für sie steht die Machbarkeit im Focus. Die Zutaten sind gut erhältlich, es gibt ganz oft Ersatzangebote und sie achtet auf Abwechslung. Gerade auch bei Körnern und Gewürzen, die in anderen Kochbüchern selten Beachtung finden.

Eigentlich natürlich nicht ausschlaggebend – aber mir gefällt auch ihre Sprache sehr gut. Sie lässt uns teilhaben an den Gerüchen, Texturen und Geschmackserlebnissen. Bei ihr lauten Kapitelüberschriften: „(M)ein Grund zum Aufstehen“, „Einfaches für mittags, Entspanntes für abends“ oder auch „Herzhafte Gericht und Ideen für hungrige Horden“.

Über die Bildgewalt einer Foodstylistin muss ich ja wohl nicht wirklich noch was sagen, oder?!

Wer dieses Buch noch nicht hat und seinem Kochen und Essen noch mehr Liebe einhauchen möchte – holt es euch!

 

Mosaik Verlag, 2015

a modern way to eat

Anna Jones
aus dem Englischen von Susanne Kammerer
Umschlagfoto: © Brian Ferry

Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung einiger Fotos und Rezepte.

Wer wissen will, wie ich rezensiere – hier habe ich es erklärt.

Original-Rezete von Anna Jones

Am liebsten jeden Abend Pizza – HIER

Foto © Brian Ferry

Ich gestehe – Fenchel ist nicht wirklich einer meiner Lieblinge. Und mein Mann mag keinen Blumenkohl 😉 Also war dieses Rezept eine echte Herausforderung für uns beide – und hat uns einen der kulinarisch genussvollsten Abende ever beschert. Einfach fantastisch!

Der Boden klebt ein wenig – ihr solltet also wirklich wie angegeben arbeiten… mit Backpapier und Öl. Und auch aufgewärmt (oder kalt) haben uns die Reste wirklich gut geschmeckt. Denn Reste hatten wir, weil es so sättigend ist.

 

Rötbäckchen-Aprikosenkonfitüre – HIER

Foto © Brian Ferry

Ganz schlicht und elegant verwandelt Anna Jones Aprikosen zu kleinen aromatischen Sommererinnerungen.

Ich habe der Säure noch ein wenig Schwung durch frischen, geriebenem Ingwer gegeben und alles vor dem Abfüllen püriert (weil meine Jungs keine Stückchen in Marmeladen und Co mögen).

 

 

 

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Nach dem Telemediengesetz § 2 Nr. 5 TMG sind alle Links auf Verlage und Autoren inzwischen als Werbung zu kennzeichnen. Ich erhalte kein Geld für meine Rezensionen, ich beurteile die Bücher nach meinen eigenen Kriterien, auf die niemand Einfluß nimmt und verzichte inzwischen weitestgehend auf Verlinkungen.

Anne
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2 Antworten auf „a modern way to eat – Anna Jones“

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